Fotoausstellung von Sibylle Fendt im Hospizverein:Bevor es so weit ist

Mit ihrer Fotoserie „Bevor es so weit ist“ richtet Sibylle Fendt den Blick auf eine Lebensphase, über die häufig nur ausweichend oder gar nicht gesprochen wird: die Zeit des Sterbens und des Abschieds zu Hause im Kreis von Familie und Freunden. Siebzehn Menschen hat die Fotografin kennengelernt und sie allein oder gemeinsam mit ihren pflegenden An- und Zugehörigen porträtiert. Aus dieser Nähe heraus entsteht ein stiller, konzentrierter Blick auf das Lebensende.
Fendt nähert sich den Menschen mit großer Zurückhaltung. Ihre Bilder suchen nicht das Spektakuläre, sondern bleiben bei den scheinbar kleinen Momenten: eine Hand auf einer Decke, ein Blick durch ein Fenster, das gemeinsame Sitzen, Pflegen, Warten und Aushalten. Gerade in dieser Aufmerksamkeit für das Unaufgeregte entfalteten die Fotografien ihre Kraft. Sie zeigt Sterben nicht als isolierten medizinischen Vorgang, sondern als Teil von Beziehungen, Routinen und Erinnerungen. Es ist eine Zeit, die den Menschen, nach vielen kräftezehrenden Behandlungen und Klinikaufenthalten, die Möglichkeit gibt, zur Ruhe zu kommen.
Die Arbeit „Bevor es so weit ist“ macht sichtbar, wie viel in diesen letzten Wochen und Tagen noch geschehen kann: Nähe, Humor, Müdigkeit, Angst, Zärtlichkeit und der Wunsch, den eigenen Weg möglichst selbstbestimmt zu gehen. Damit berührt die Arbeit zentrale Fragen der Hospizbewegung. Sie fragt danach, was Menschen am Lebensende brauchen, was Würde bedeutet, wenn die Kräfte schwinden, und wie eine Gesellschaft Räume schaffen kann, in denen Sterben nicht verdrängt, sondern begleitet wird. Die Fotoserie bietet dem Publikum einen eindringlichen und zugleich respektvollen Zugang zu einem Thema, das jeden betrifft und doch selten so offen und menschlich gezeigt wird.
Das gleichnamige Fotobuch mit 75 Abbildungen ist 2025 im Kehrer Verlag erschienen. Hier kommen die Porträtierten zu Wort und die Fotografin erzählt in einem Essay über die letzten Lebenstage ihres Mannes im Kreise der Familie und Freunde. Dieser selbst erlebte Abschied motivierte sie, die Arbeit zu realisieren.
Künstlerbiografie
Sibylle Fendt (*1974) lebt in Berlin und ist Mitglied der renommierten Agentur Ostkreuz. Ihre Arbeiten sind meist sozialkritisch geprägt und wurden vielfach ausgezeichnet, darunter mit dem Förderpreis für Dokumentarfotografie der Wüstenrot-Stiftung und einer Teilnahme an der World Press Photo Masterclass 2003. 2024 gewann sie den Vonovia Award für Fotografie mit der ausgestellten Arbeit.
6. - 22. November im Hospizverein Bamberg
Geöffnet Montag bis Freitag 10-16 Uhr und Sonntag 10 bis 18 Uhr
Finissage mit Künstlergespräch am Sonntag, den 22. November um 16 Uhr
Eintritt frei
Eine Veranstaltung im Rahmen des Bamberger Totentanz-Festivals